Studieren in Göteborg

Infos und Tipps für das Studium in der Universitätsstadt Göteborg

Foto: Sofia Sabel/imagebank.sweden.se

Die alte Hafen- und Handelsstadt Göteborg an der schwedischen Westküste war immer das Tor des Landes zur Welt. Hier wurde Geld verdient, von hier unternahmen Forscher und Unternehmer ihre Reisen und brachten Reichtümer und Nachrichten mit sich zurück. Heute ist Göteborg eine weltoffene, lebendige Stadt mit einem reichen kulturellen und studentischen Leben. Museen, Theater und Galerien prägen das Stadtzentrum; historische Viertel werden von Göteborgern wie den Studierenden und den Touristen gleichermaßen geschätzt, um dort zu essen und zu trinken, einzukaufen und – bei schönem Wetter vorzugsweise draußen – das Leben zu genießen.

An der 1891 gegründeten Göteborgs Universität sowie der Universität Chalmers Tekniska högskola aus dem Jahr 1829 studieren heute über 36.000 Vollzeitstudenten aus dem In- und Ausland. Beide Universitäten belegen in internationalen Rankings regelmäßig vordere Plätze.

Die Bildungseinrichtungen der Stadt befinden sich wie überall in Schweden auf einem außerordentlich hohen technischen Niveau. Studierende werden individuell betreut; für Fragen und Probleme stehen sowohl universitäre als auch studentische Ansprechpartner zur Verfügung. Gerade auf ökonomischem und technologischem Gebiet profitieren die Stadt und ihre Bildungseinrichtungen deutlich von ihrer Anziehungskraft als Wirtschafts- und Handelsmetropole Schwedens.

Göteborg: Lage, Anreise und Transport

Die Lage Göteborgs am Fluss Göta älv im nördlichen Teil der schwedischen Westküste hat die Stadt früh zum Bindeglied des schwedischen Reichs gemacht. Jenseits des Skagerrak liegt die Partnerstadt Aarhus; nach Norden bestehen Fährverbindungen nach Oslo und Bergen. Richtung Süden ist Göteborg durch eine Direktroute mit Kiel verbunden; wer einen längeren Landweg bevorzugt, fährt mit dem Wagen bis ins dänische Frederikshavn und nimmt dann die Fähre. Da die Fährverbindungen besonders in der Urlaubssaison sehr beliebt sind, lohnt sich ein rechtzitiges Buchen der Überfahrt (beispielsweise über das Suchportal AFerry Ltd.).

Selbstverständlich hat Göteborg einen internationalen Flughafen: Landvetter; der zweite Flughafen Säve (auch selbstbewusst als Göteborg City Airport bezeichnet) wurde vor wenigen Jahren für Passagiermaschinen geschlossen. Die Stadt ist per Bahn und Bus – von Berlin und Rostock aus sogar mit Direktverbindungen – ebenfalls gut zu erreichen. Der Hauptbahnhof und der Nils-Ericsson-Terminal für Busse liegen in der Innenstadt.

In Göteborg selbst ist ein Auto eher hinderlich als praktisch, Parkplätze sind Mangelware und weite Teile des Stadtzentrums sind für den privaten Pkw-Verkehr ohnehin gesperrt. Wird doch einmal ein Auto benötigt, gibt es in Göteborg Carsharing-Mietwagen. Die Entfernungen sind gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen; das Mietrad-System Styr&ställ ist gut ausgebaut. Außerdem gibt es ein gut ausgebautes Straßenbahnnetz mit zwölf Linien. Für Verbindungen in die Vororte gibt es Buslinien und die der S-Bahn vergleichbaren Pendelzüge (pendeltåg). Der öffentliche Nahverkehr Göteborgs gehört zum Bereich von Västtrafik AB, der im westlichen Götaland täglich 400.000 Fahrgäste befördert.

Wohnen in Göteborg

Die Wohnsituation ist wie in allen schwedischen Großstädten angespannt. Wer über ein Austauschprogramm an die Universität kommt, wird automatisch mit einem Zimmer versorgt, alle anderen sollten sich so früh wie möglich um eine Unterkunft bemühen. Auf dem freien Wohnungsmarkt sind gelegentlich Zimmer zur Untermiete oder in Wohngemeinschaften zu ergattern; eine größere Chance hat der Austauschstudent jedoch bei der Stiftelsen Göteborgs Studentbostäder. Die Stiftung besteht seit 1951 und wird von den vereinigten Studentenorganisationen Göteborgs, der Universität sowie der Stadt geschäftsmäßig betrieben, ist jedoch im Gegensatz zu Wohnungsgesellschaften nicht primär gewinnorientiert. Beim Einzug müssen eine Zulassung an der Universität oder an Chalmers Tekniska högskola sowie gültiges Ausweisdokument vorliegen. Wer im Herbstsemester (Beginn Ende August/Anfang September) mit dem Studium beginnt, darf den Platz ab Juni in Anspruch nehmen; wer sein Studium im Januar aufnimmt, darf im Dezember einziehen. Die Erbringung minimaler Studienleistungen (15 Punkte je Semester Minimum) wird regelmäßig überprüft. Auch bei Boplats Göteborg, der allgemeinen Wohnungsvermittlung des Großraums Göteborg, kann sich die Suche lohnen.

Eine Möglichkeit, über die studentischen Nationen ein Zimmer zu finden, besteht in Göteborg nicht, ist die Stadt doch zu jung für solche studentischen Traditionen, die das Leben in den alten Universitätsstädten Lund und Uppsala entscheidend prägen.

Studentisches Leben und Kultur in Göteborg

Die Studentkår in Schweden entsprechen ungefähr den deutschen Studentenschaften; sie sind Studentenvertretungen mit weitreichenden Kompetenzen, die untereinander Allianzen bilden, aber auch konkurrieren können. Eine Mitgliedschaft ist auch für Gaststudenten Pflicht; erst hierdurch erhält man Studenten- und Bibliotheksausweis und kommt in den Genuss von Ermäßigungen beispielsweise bei kulturellen oder gastronomischen Angeboten.

An der Universität Göteborg sind vier Gruppierungen vertreten: das Göta Studentkår für alle Studierenden und Doktoranden der Geistes- und Sozialwissenschaften einschließlich der Pädagogik, Naturwissenschaften und der Informatik; Konstkåren für die Künstlerische Fakultät, Sahlgrenska akademins studentkår SAKS für die Studierenden und Doktoranden der Sahlgren’schen Akademie (der Medizinischen Fakultät der Universität) sowie das Studentkår der Handelshögskolan, an der Management, Ökonomie und Recht studiert werden. Der Chalmers studentkår ist die studentische Vertretung an der Chalmers tekniska högskola.

Die Studentkår beraten Studierende und Doktoranden, helfen bei Problemen und sind Ansprechpartner für alles, was mit einem Studienaufenthalt in Schweden zusammenhängen kann. Außerdem organisieren sie Veranstaltungen, betreiben Restaurants und Pubs und bieten diverse sportliche und kulturelle Clubs an. Diese günstigen Gelegenheiten sind schon deshalb notwendig, weil das Leben in Schweden im Vergleich zu Deutschland teurer ist. Besonders Lebensmittel und Dienstleistungen belasten die studentischen Finanzen kräftig. Das soziale Leben an den Universitäten wird weitgehend von der Tätigkeit der Studentkår geprägt.

Die Mitgliedskarte dient nicht nur als Ausweis, sondern gleichzeitig dem Bezahlen in den quasi bargeldlosen Universitätsgebäuden und einrichtungen. Hierzu wird die Karte online oder am Automaten um einen Betrag aufgeladen, der anschließend für Essen, Gebührenzahlungen und ähnliches genutzt werden kann.

Im Gegensatz zu anderen Orten sind die Studentkår in Göteborg nicht bei der Zimmersuche behilflich, diese erfolgt ausschließlich privat oder über die genannten Portale.

Die Universität Göteborg hat keinen abgeschlossenen Campus, vielmehr finden sich die Gebäude über das Stadtzentrum verteilt. Hierdurch beleben die Studierenden die Stadt und kommen selbst leichter in Kontakt mit den Einheimischen. Wie überall in Schweden wird auch in Göteborg sehr gut Englisch gesprochen. Doch selbst, wer in einem der international ausgerichteten englischsprachigen Studiengänge unterkommt, sollte sich die Mühe machen, in einem Einführungskurs die gebräuchlichsten Vokabeln und Redewendungen der schwedischen Sprache zu erlernen. Die Eingewöhnung in ein fremdes Land und dessen Sitten fällt dann wesentlich leichter, auch ist man dann nicht grundsätzlich darauf angewiesen, dass alle anderen aus Höflichkeit in eine Fremdsprache wechseln.

Wer mag, kann also zwischen Vorlesungen und Seminaren über den repräsentativen Gustav Adolfs torg oder durch den historischen Bezirk Haga schlendern und einen Kaffee trinken oder sich bei gutem Wetter an einem der zahlreichen Kanäle in den Grünanlagen mit seiner Arbeitsgruppe treffen. In der warmen Jahreszeit locken die Schären zu Ausflügen ins Kattegat, im Winter lassen sich Museen wie das Kunstmuseum und die Kunsthalle oder die Konzerthalle besuchen, in der die weltbekannten Göteborger Symphoniker spielen. Außerdem finden in der Stadt jährlich mit Bok & Bibliotek die größte Buchmesse Skandinaviens, das Göteborg International Film Festival und zahlreiche Metal-Konzerte statt.

Göteborg ist eine ideale Mischung von lebendiger Großstadt und schwedischer Lebensart. Aufgrund seiner Jahrhunderte zurückreichenden Tradition im Umgang mit Fremden gibt es diesen gegenüber wenig Vorbehalte, sondern Offenheit und Entgegenkommen. Gerade Studierenden fällt es deshalb leicht, untereinander und auch zu Einheimischen Kontakte zu knüpfen. Das reiche kulturelle Leben der Stadt bietet jedem etwas; ihre begrenzte Größe sorgt dafür, dass man trotz Internationalität und geschäftigen Trubels immer einen ruhigen Rückzugsort findet. Nirgends ist man weit von der Natur entfernt, die hier den vielgestaltigen Schärengarten, aber auch Wälder im Norden und das idyllische Hinterland um den Göta älv bietet.

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